Einschnitte der Vorkriegszeit
Wir schreiben den 12.11.1918 – jenen Tag, als die Geschichte der Ersten Republik ihren Anfang nahm. Es war genau genommen der Tag, an welchem die Provisorische Nationalversammlung die Republik „Deutschösterreich“ ausrief. Sechs Jahre später, also 1924, wurde zudem eine neue Währung eingeführt, der Schilling, welche die Kronen ablösen sollte. Ab diesem Zeitpunkt sprechen viele von einer sogenannten Sanierung der österreichischen Wirtschaft – dies aufgrund der Tatsache, dass mit der neuen Währung, dem Schilling, alles anders und vor allem besser werden sollte. Anmerkung: Damals bekam man für 10.000 Kronen nur einen Schilling, was genau genommen auf die drastische Inflation zurückzuführen war. Diese gestaltete sich als dermaßen hoch, dass man zur Zeit der Ersten Republik für dasselbe Geld, mit welchem man damals eine Wohnung hätte erwerben können, nur mehr einen einfachen Laib Brot bekam.
Auch das generelle Wohnen war einfältig – ja, oftmals sogar schon armselig. Viele Familien lebten am Existenzminimum und wahrlich von der Hand in den Mund. Keiner wusste, was der nächste Tag wohl bringen mag. Die Wohnungen der damaligen Bürger und Bürgerinnen waren oftmals gänzlich leer. Durch den Schilling verlor vieles an Wert; man war also gezwungen, wertvolles Hab und Gut zu verkaufen. Für das gute Ledersofa bekam man, wenn man Glück hatte, vielleicht zehn Schilling. Moderne Lampen, die zur damaligen Zeit wirklich als „modern“ und „gut“ galten, konnten für ein paar Schilling das Stück veräußert werden. Durch den Verkauf von derartigen Gegenständen, Utensilien und Möbeln versuchte man, sich über Wasser zu halten, Miete zu bezahlen und Lebensmittel für seine Familie zu kaufen.
Als der Fremdenverkehr als Devisenbringer einsetzte, ging es wirtschaftlich gesehen ein bisschen aufwärts. Trotz allem jedoch war dies noch lange nicht für eine ganzheitliche Erholung der österreichischen Wirtschaft ausreichend. Tatsache war, dass die österreichische Wirtschaft weiterhin mit schweren Belastungen zu kämpfen hatte. In diesem Zusammenhang sei weiters festgehalten, dass das nötige Kapital sowie die erforderlichen Finanzmittel in Österreich nicht vorhanden waren. Infolgedessen sah sich Österreich gezwungen, benötigte Gelder von anderen Ländern und Staaten zu beschaffen – dies mit dem Nebeneffekt, dass sich Österreich genau genommen fremder politischer Macht hingab. Hinzu kam, dass die im Jahre 1929 ausgebrochene Weltwirtschaftskrise erneute Probleme auslöste. Österreich stürzte folglich in wiederholte wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Die Situation verschlechterte sich drastisch: Aufgrund der Tatsache, dass sich der Schilling anfänglich nur schwer etablieren und stabilisieren konnte, war es für viele Familien unmöglich, ihre Kinder zu ernähren und diesen etwas zu bieten. Oftmals reichte das Geld im Monat nicht einmal aus, um Mutter und Vater ausreichend über die Runden zu bringen. Dies lag unter anderem auch daran, dass bis zu 600.000 Menschen in Österreich arbeitslos waren. Die Arbeitslosenrate stieg kontinuierlich an; dadurch, dass es zur damaligen Zeit keine soziale Absicherung seitens des Staates gab, gab es infolgedessen auch kein Arbeitslosengeld. Somit sahen sich viele Familien gezwungen, ihre Kinder vor dem Ausbruch des Krieges bei Gastfamilien im Ausland unterzubringen. Die Mehrheit aller Kinder wohnte folglich bei Familien in der Schweiz. Dort hatten die Kinder immer genügend zu essen sowie die Möglichkeit, in einem normalen Umfeld aufzuwachsen.